27 February 2018 to 2 March 2018
Karlsruher Institut für Technologie
Europe/Berlin timezone

Der Bochumer Sprachförderturm: Sprachliche Heterogenität im Fokus – ein synergetisches Konzept in der Lehramtsausbildung

1 Mar 2018, 13:00
45m
Karlsruher Institut für Technologie

Karlsruher Institut für Technologie

Poster Postersession

Speaker

Ms. Annika Möller (Research associate, German Institute RUB)

Description

Zuwanderungsströme stellen LehrerInnen vor die Herausforderung sprachlich heterogene Klassen zu unterrichten. Die Universitäten stehen deshalb in der Verantwortung angehende LehrerInnen auf den Umgang mit neu Zugewanderten vorzubereiten. Der Bochumer Sprachförderturm der Ruhr-Universität Bochum des Arbeitsbereichs Sprachbildung und Mehrsprachigkeit stellt Angebot in diesem Bereich für Studierende aller Fächer dar. Das von einem interdisziplinären Team begleitete Lehrangebot gliedert sich in drei praxisorientierte Teile: in einer dreiwöchigen Sommerschule für neu zugewanderte SchülerInnen, während sich daran anschließender Lernpatenschaften und einer Praktikumsbegleitung der Jugendlichen gestalten die Studierenden sprach- und kultursensiblen Förderunterricht. Das Poster des Bochumer Sprachförderturms präsentiert zunächst unter Einbezug von Eindrücken der Studierenden dieses hochschuldidaktische Konzept in der Lehramtsausbildung, in dem Theorie und Praxis verzahnt werden. Um darüber hinaus konkrete Herausforderungen im Umgang mit sprachlich heterogenen Klassen zu nennen, werden auf dem Poster am Beispiel des Themenfelds „Übergang Schule-Beruf“ die Anforderungen verdeutlicht, auf die zukünftige Lehrkräfte ihre SchülerInnen mit Sprachförderbedarf vorbereiten müssen.

Abstract (für alle Formate)<br>Bitte vergessen Sie nicht<br> das Format unter<br>"Presentation type"<br> am Ende dieser<br>Seite anzugeben.

Angesichts großer Zuwanderungsströme steht Deutschland derzeit vor der Herausforderung, neu zugewanderte Kinder und Jugendliche zunächst schnell in den Schulalltag und anschließend in das Berufsleben zu integrieren. LehrerInnen aller Schulstufen sind deshalb gefordert diese SeiteneinsteigerInnen möglichst umgehend in den Regelunterricht zu integrieren, und darüber hinaus den Berufseinstieg dieser Jugendlichen regulär vorzubereiten. Gleichzeitig gibt es jedoch keine standardisierten Konzepte in der Lehramtsausbildung, die auf die daraus resultierenden spezifischen Potenziale und Bedarfe dieser Zielgruppe eingehen.

Der Bochumer Sprachförderturm des Arbeitsbereichs Sprachbildung und Mehrsprachigkeit am Germanistischen Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) unter der Leitung von Prof. Dr. Lena Heine antwortet auf dieses Desiderat. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt und wird seit dem Sommersemester 2015 erfolgreich durchgeführt. Seit 2016 wird es von der Robert Bosch Stiftung gefördert. In diesem Zusammenhang entstand an der RUB ein Förderkonzept, das unmittelbare Lehr-, Lern- und Unterrichtserfahrungen für zwei unterschiedliche Zielgruppen bietet: für die Gruppe der Lehramtsstudierenden und die Gruppe der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen. Die zentralen Merkmale dieses hochschuldidaktischen Konzepts umfassen ein Format, das offen für Lehramtsstudierende aller Fächer ist, über traditionelle Ansätze von Deutsch als Zweitsprache hinaus geht und grundlegend praxisorientiert und interdisziplinär angelegt ist. Somit entsteht an der Ruhr-Universität Bochum ein übertragbares Konzept in der Lehramtsausbildung, das gezielt auf die gesellschaftspolitische Herausforderung der Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in das Schulsystem reagiert.

Der in drei Teile aufgebaute Bochumer Sprachförderturm umfasst die dreiwöchige Sommerschule Deutsch als Zweitsprache, eine Fortführung der dort entstandenen Lernpatenschaften über ein Schuljahr hinweg und die Entwicklung eines Netzwerks bestehend aus Bochumer Schulen, den Studierenden des Sprachförderturms und regionalen Unternehmen. Diese Netzwerkbeteiligten sollen neu zugewanderten SchülerInnen während eines Schulpflichtbetriebspraktikums eine individuelle Betreuung bieten. Auf diesem Weg entsteht eine mehrfache Stoßrichtung des hochschuldidaktischen Lehrkonzepts, von der Studierende, SchülerInnen und regionale Unternehmen gleichermaßen und unmittelbar profitieren. Die Vorbereitung der Studierenden auf das Berufsfeldpraktikum in der Sommerschule DaZ ist verankert in Theorie und Empirie (vgl. Barsalou 2008 und Hulstijn 2015) und bezieht zudem die Erfahrungen eines interdisziplinären Teams ein (vgl. Cornely Harboe et. al 2016). Der Bochumer Sprachförderturm verfolgt einen Sprachlernansatz, der SprachanfängerInnen von Beginn in schulbezogene Sprachhandlungen involviert und dabei auf Motivationsförderung und ganzheitliche Erfahrungen setzt (vgl. Cornely Harboe 2016).

Ziel des Posters auf der dghd-Jahrestagung 2018 ist es, die Projektidee zu präsentieren und darzulegen, wie hier eine kohärente Verbindung zwischen theoretischer Fundierung und Praxis geschaffen wird. Anhand des erfolgreichen Beispiels des Bochumer Sprachförderturms wird aufgezeigt, wie ein machbares hochschuldidaktisches Konzept für die Ausbildung von Lehrkräften für den Unterricht mit SeiteneinsteigerInnen aussehen kann, das tatsächlich zu Handlungsfähigkeit führt. Ein besonderer Fokus in der Ausbildung liegt dabei auf der Frage, wie in einem praxisorientierten Lehrformat bildungsrelevante Sprache bei SprachanfängerInnenn bereits auf niedrigem Niveau angebahnt und zugleich der Übergang von Schule zu Beruf dieser Zielgruppe sprachfördernd thematisiert werden kann. Dazu erhebt das Projektteam im Rahmen der Netzwerkentwicklung sprachbezogene Bedarfe aus der Praxis von lokalen Betrieben und Unternehmen zur Betreuung von PraktikantInnen. Die dort genannten Herausforderungen für SeiteneinsteigerInnen, wie zum Beispiel der Umgang mit KollegInnen im Betrieb oder auch das Erlernen von fachbezogener Sprache, werden auf dem Poster auf der dghd-Jahrestagung 2018 zusammen mit den Erfahrungen von Studierenden und SchülerInnen aus der Sommerschule DaZ präsentiert. Der Bochumer Sprachförderturm zeigt, dass in traditionellen Modulstrukturen ein Konzept für die Lehramtsausbildung möglich ist, das von den Erfahrungen in der Praxis profitiert und dort gleichzeitig unmittelbar seine Wirkung entfaltet.

Literaturangaben

Barsalou, Lawrence W. 2008. „Grounded Cognition”. In: Annual Review of Psychology 59, S. 617-645. DOI:10.1146/annurev.psych.59.103006.093639. Oktober 2017.

Cornely Harboe Verena, Mirka Mainzer-Murrenhoff. 2016. Unterricht mit neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen. Interdisziplinäre Impulse für DaF/DaZ in der Schule. Lena Heine (Hrsg.) Münster: Waxmann.

Hulstijn, J. H. 2015. Language Proficiency in Native and Non-native Speakers: Theory and Research (Language Learning & Language Teaching). Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins.

3-5 Keywords (aus: Personalentwicklung,<br> Studiengangentwicklung,<br> Institutionalisierung/<br>Strukturentwicklung, Organisations-<br>entwicklung, Bildungs-<br>politik, HD Praxis,<br>Fachdidaktik/Fachkultur, <br> HD Grundlagenforschung, <br>Angewandte Forschung, <br> Wertediskurs, Internationalisierung,<br> Netzwerke, ggf. andere Schlüsselbegriffe)

Lehramtsausbildung,Interdisziplinarität, Bildungspolitik, Netzwerke, Zuwanderung

Primary author

Ms. Annika Möller (Research associate, German Institute RUB)

Presentation Materials

Paper

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