27 February 2018 to 2 March 2018
Karlsruher Institut für Technologie
Europe/Berlin timezone

Eine Selbstzeitstudie im Lernzentrum Elektrotechnik

1 Mar 2018, 13:00
45m
Karlsruher Institut für Technologie

Karlsruher Institut für Technologie

Poster Postersession

Speaker

Mr. Dennis-Pascal Friederici (Paderborn University)

Description

Im Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten für Ingenieure“ des Fachgebiets Technikdidaktik der Universität Paderborn bearbeiten Studierende u. a. das Thema Zeitmanagement. Ein wesentlicher Schritt zur effizienten Nutzung der eigenen Zeit besteht dabei darin, sich des eigenen Verhaltens bewusst zu werden. Diese bewusst gewordenen Verhaltensmuster werden persönlichen Zielen gegenüber gestellt, woran ein individueller Entscheidungsprozess über das weitere Vorgehen anknüpft. Die vorliegende Studie bestand im Kern aus einer einwöchigen, intensiven Selbstbeobachtung mit stündlicher Aufzeichnung der Aktivitäten. Die Teilnehmer/innen bekamen vor und nach dieser Intervention, und noch einmal sieben Wochen später einen standardisierten Fragebogen ausgehändigt, der z. B. Auskunft über das Planungs- und Zeitnutzungsverhalten gibt. Die Hypothese, dass die Selbstbeobachtung zu einer Änderung in der Nutzung der eigenen Zeit führt, wurde bestätigt. Überdies zeichnen sich positive Tendenzen ab, die auf eine Bewusstseinsveränderung hindeuten.

Abstract (für alle Formate)<br>Bitte vergessen Sie nicht<br> das Format unter<br>"Presentation type"<br> am Ende dieser<br>Seite anzugeben.

Im Seminar „Wissenschaftliches Arbeiten für Ingenieure“ des Fachgebiets Technikdidaktik der Universität Paderborn wird u.a. das Thema Zeitmanagement erarbeitet. Dabei werden unterschiedliche Methoden erläutert und teilweise erprobt, mit denen das Bewusstsein für die Nutzung der eigenen Zeit geschärft werden kann, und die zu einer effizienteren Tages- und Lebensgestaltung führen. Ein wesentlicher Schritt besteht dabei darin, sich des eigenen Verhaltens bewusst zu werden. Im Hinblick auf die persönlichen Ziele knüpft daran ein individueller Entscheidungsprozess an, welchem Tun vorrangig nachgegangen werden sollte. Dazu wurden die Studierenden im Seminar bislang dazu aufgefordert, sich an ihre verbrachte Zeit der vergangenen Woche möglichst genau zu erinnern und ihre Tagesaktivitäten zu notieren. Auf Grund des mäßigen Erfolges dieser Methode, zumal die Studierenden häufig Schwierigkeiten hatten sich genau zu erinnern und auch wenig Zeitdiebe entdeckt haben, wurde das Veranstaltungskonzept geändert und die vorliegende Selbstzeitstudie ins Leben gerufen. Sie besteht im Kern aus einer einwöchigen, intensiven Selbstbeobachtung mit stündlicher Aufzeichnung (zehn Mal pro Tag) der Aktivitäten. Die Teilnehmer/innen bekamen vor und nach dieser Intervention, und noch einmal sieben Woche später einen standardisierten Fragebogen ausgehändigt, der z.B. Auskunft über das Planungs- und Zeitnutzungsverhalten gibt. Insgesamt zielt die Selbstzeitstudie darauf, dass die teilnehmenden Studierenden innerhalb des Semesters sich ihres Zeitnutzungsverhaltens bewusst werden, ihre Zeitdiebe identifizieren und darauf aufbauend ihre Tätigkeiten auf persönlich Wichtiges konzentrieren können. Interessant ist dabei die Fragestellung, was die einwöchige, minutiöse Beobachtung der eigenen Handlungen in der individuellen Handhabe mit der Zeit bewirkt.
Die Selbstzeitstudie wird von einigen anderen Studien zum Zeitmanagement, die im Laufe der letzten 40 Jahre durchgeführt wurden, unterstützt. Häfner et al. schreiben, dass es kaum Studien gibt, die, trotz der international weit verbreiteten Schulungsmaßnahmen, die Wirksamkeit entsprechender Methoden nachweisen (Häfner, Oberst, & Stock, 2014a). Gewonnene Erkenntnisse sind z.B., dass durch Zeitmanagement-Trainings eine gesteigerte Kontrolle der eigenen Zeit wahrgenommen wird (keine Effekte auf die Leistung; vgl. Häfner & Stock, 2010), dass sich die Schulungsteilnehmer/innen moralisch stärker und weniger gestresst fühlen (vgl. Kearns & Gardiner, 2007), dass die Selbsteinschätzung Studierender zu ihrer Zeitnutzung und der tatsächlich aufgebrachten Zeit deutlich unterscheidet (weshalb Fertigkeiten im Zeitmanagement verbessert werden sollten, vgl. Tanner, Stewart, & Totaro, 2009), dass die Fertigkeiten der Studierenden im Zeitmanagement mit deren Leistungen im Studium korrelieren (vgl. Nasrullah & Khan, 2015; Indreica, Cazan, & Truta, 2011; Britton & Tesser, 1991; Pehlivan, 2013; Eid, Safan, & Diab, 2015), und dass die Teilnehmer/innen keine Prokrastination zeigten, weshalb Schulungen im Zeitmanagement vor schwierigen Zeiteinteilungsproblemen schützten (vgl. Häfner, Oberst, & Stock, 2014b).
Der eingesetzte Fragebogen besteht aus den 26 Items der Time Structure Questionnaire nach Bond und Feather (1988), und sechs Items aus der Time Management Questionnaire nach Britton und Tesser (1991), welche das Konstrukt Zeitnutzung verstärken. Zudem wurden fünf eigene Items bzgl. der Selbstzeitstudie ergänzt. Die Hypothese, dass die Selbstbeobachtung zu einer Änderung in der Nutzung der eigenen Zeit führt, kann bestätigt werden. Überdies zeichnen sich positive Tendenzen ab, die auf eine Bewusstseinsveränderung hindeuten.

Quellen:
Eid, N. M., Safan, S. M., & Diab, G. M. (2015). The Effect of Time Management Skills and Self Es-teem of Students on Their Grade Point Averages (GPA). Journal of Nursing and Health Sci-ence. (Vol. 4, No. 1), 82–88.
Nasrullah, S., & Khan, M. S. (2015). The Impact of Time Management on the Students’ Academic Achievements. Journal of Literature, Languages and Linguistics. (Vol. 11), 66–71.
Pehlivan, A. (2013). The Effect of the Time Management Skills of Students Taking a Financial Accounting Course on their Course Grades and Grade Point Averages. International Journal of Business and Social Science. (Vol. 4, No. 5), 196–203.
Indreica, E.-S., Cazan, A.-M., & Truta, C. (2011). Effects of learning styles and time management on academic achievement. Procedia - Social and Behavioral Sciences, 30, 1096–1102. https://doi.org/10.1016/j.sbspro.2011.10.214
Häfner, A., & Stock, A. (2010). Time management training and perceived control of time at work. The Journal of psychology, 144(5), 429–447. https://doi.org/10.1080/00223980.2010.496647
Tanner, J. R., Stewart, G., Maples, G., & Totaro, M. (2009). How Business Students Spend Their Time—Do They Really Know? Research in Higher Education Journal.
Britton, B. K., & Tesser, A. (1991). Effects of time-management practices on college grades. Journal of Educational Psychology, 83(3), 405–410. https://doi.org/10.1037//0022-0663.83.3.405
Bond, M. J., & Feather, N. T. (1988). Some correlates of structure and purpose in the use of time. Journal of Personality and Social Psychology. (Vol. 55, No. 2), 321–329.
Häfner, A., Oberst, V., & Stock, A. (2014b). Avoiding procrastination through time management: An experimental intervention study. Educational Studies, 40(3), 352–360. https://doi.org/10.1080/03055698.2014.899487
Häfner, A., Stock, A., & Oberst, V. (2014a). Decreasing students’ stress through time manage-ment training: An intervention study. European Journal of Psychology of Education, 30(1), 81–94. https://doi.org/10.1007/s10212-014-0229-2

3-5 Keywords (aus: Personalentwicklung,<br> Studiengangentwicklung,<br> Institutionalisierung/<br>Strukturentwicklung, Organisations-<br>entwicklung, Bildungs-<br>politik, HD Praxis,<br>Fachdidaktik/Fachkultur, <br> HD Grundlagenforschung, <br>Angewandte Forschung, <br> Wertediskurs, Internationalisierung,<br> Netzwerke, ggf. andere Schlüsselbegriffe)

HD Praxis, angewandte Forschung, SoTL

Primary author

Mr. Dennis-Pascal Friederici (Paderborn University)

Presentation Materials

Paper

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